Dienstag, 07. September 2010

Karwoche auf der "Via Crucis" in Brenzone

Religiöse BrĂ€uche und Traditionen haben im Mittelmeerraum einen hohen Stellenwert im Jahresablauf. Vor allem in Italien, wo die Kirche die zweite Heimat der Menschen ist. Rund ums Jahr gibt es Feste zu Ehren von Heiligen und Schutzheiligen eines Dorfes oder einer Gemeinde. Letztere werden oft ĂŒberschwĂ€nglich und ausgelassen gefeiert, ebenso die Kirchweihfeste.
Dazu kommen die großen, von tiefem religiösem Ernst geprĂ€gten, kirchlichen Feste und Feiertage wie Ostern, Pfingsten, Weihnachten. Besondere Bedeutung haben die Karwoche und Ostern mit Kreuzigung, Tod und Auferstehung Christi. Sie werden oft besonders intensiv gefeiert. An vielen Orten gibt es noch eine sog. “Via Crucis”, einen Kreuzweg, der die Leiden des Gottessohnes symbolisiert.

Karwoche und Ostern sind dabei auch Schnittpunkt zwischen winterlicher Ruhe und touristischer Saison, zwischen dem traditionellen Leben der Einheimischen und der Hektik des Sommers. Am Gardasee ist das ein unvergessliches Ereignis. Vor allem in Brenzone werden in dieser Zeit alte religiöse Traditionen von den Einheimischen und den GÀsten belebt. Das österliche Mysterium wird seit dem Mittelalter auf besondere Weise zelebriert.
Die Feierlichkeiten beginnen am GrĂŒndonnerstag mit der traditionellen Fußwaschung in allen Pfarrkirchen. Samstagabend und Sonntag wird das Osterfest gefeiert.
Eigentlicher Höhepunkt der gesamten Osterzeit ist die historische “Via Crucis” am Karfreitag. Zwischen engen GĂ€sschen und eindrucksvollen PlĂ€tzen mit charakteristischer mittelalterlicher Architektur ersteht die Passion Christi wieder - in einer eindrucksvollen Prozession mit “lebenden Bildern”. Beginn ist in der Pfarrkirche von Castelletto, am Ufer des Gardasees.
Verschiedene Stationen der “Via Crucis” befinden sich im alten Zentrum von Castelletto. Lichtspiele, kostĂŒmierte Figuren, ChorgesĂ€nge und der Fackelzug der GlĂ€ubigen prĂ€gen dieses Ereignis. Alte HĂ€user und grĂŒne OlivenbĂ€ume bilden eine großartige Kulisse fĂŒr die Darstellung des Leidensweges, deren geistliche und religiöse IntensitĂ€t jeder spĂŒrt.
Die Prozession auf der “Via Crucis” fĂŒhrt einen realen und ideellen Weg entlang. Er verbindet das durch den Fremdenverkehr schon modernisierte Seeufer mit dem urwĂŒchsigen Hinterland. Die Prozession und damit die Karfreitagsfeier endet in Biasa, einem kleinen, alten Dorf von Brenzone.

Nach alter Tradition gemĂ€ĂŸ feiern die Einwohner dieser Dörfer das Ende der Fastenzeit und die Wiederkehr zum fröhlichen Leben. Sie gingen deshalb am Ostermontag alle auf das Land zu einem Picknick im Freien, zum Singen, Spielen und Tanzen: Diese Tradition stammt noch aus den heidnischen FrĂŒhlingsfeiern. Heute findet im mittelalterlichen Dorf von Campo dann ein Fest statt. Die Menschen sitzen auf den Wiesen in den Olivenhainen. Es gibt Spaghetti, Polenta mit hausgemachter Wurst und hartgekochten Eiern, dazu guten Wein aus Bardolino.
Die Osterzeit und die Region Benzone sind ein Paradies fĂŒr Freunde der Natur und des alternativen Tourismus.


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