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An einem herrlichen Sommermorgen
stehen wir auf den Mauern des Forte Belvedere, der
Bastion hoch über Florenz, und blicken hinab auf
die prächtige Stadt. Ein wundervoller Aussichtspunkt:
Alle Wahrzeichen der Stadt sind hier zu einem unvergleichlichen
Ensemble versammelt.
Im Vordergrund der Arno,
dessen spiegelnde Wasserfläche immer neue
Lichtwirkungen hervorzaubert. Darüber spannt
sich der Ponte Vecchio, die an der schmalsten
Stelle des Flusses errichtete „Alte Brücke“ mit
der pittoresk überbauten Passage, in der seit
dem Erlass des Großherzogs Ferdinando I.
ausschließlich Goldschmiedeläden
ihre Waren feilbieten dürfen. Rechts davon sehen wir den
zinnengekrönten Turm des Palazzo Vecchio, dem markanten
und wuchtigen Symbol für den Stolz und die Festigkeit der
Florentiner.
Beherrscht
wird das Stadtbild jedoch vom mächtigen Bau des
Doms mit seiner imposanten Kuppel und dem reich
geschmückten Glockenturm.
Die kunstvoll verzierte
Fassade des Kirchenbaus leuchtet in weißem, grünem
und rotem Marmor, darüber erhebt sich das architektonische
Wunderwerk der ziegelroten Kuppel, erbaut zwischen
1420 und 1434 unter der Regie des genialen Baumeisters
Filippo Brunelleschi.
Florenz ist ein Traum. Es ist, als
habe sich der Geist und das Selbstbewusstsein einer Epoche
in Stein verewigt. So schön Florenz auch ist, lieblich oder
gar einschmeichelnd ist die Stadt keineswegs. Geradlinig
und direkt steht sie da, respektgebietend und abweisend
wirken die dicken Gemäuer der Stadtpaläste. Selbst im
heißen Sonnenlicht kann den Besucher angesichts der
unverhohlenen steinernen Machtdemonstration ein Frösteln
überkommen.
Es
ist der Geist der Renaissance, der in diesen Gemäuern waltet,
einer Epoche, die die Toskana zu ihrer höchsten Blüte geführt
hat, sie andererseits aber immer wieder in Abgründe der
Zerrissenheit stürzte, gekennzeichnet durch grausame Fehden
und Kleinkriege zwischen den Städten der Region, zwischen
politischen Parteien und selbst zwischen einzelnen Adelsfamilien.
Es scheint paradox, dass eine Zeit,
die in so hohem Maße durch politische Zwiste und blutige
Konflikte geprägt war, Künstler und Baumeister wie Michelangelo,
Leonardo da Vinci, Botticelli, Brunelleschi oder Raffael
hervorbringen konnte.
Und doch war es gerade der Tatgeist
dieser Epoche mit all seinen Härten, seinen Egoismen und
seinem gierigen Gewinnstreben, welcher der künstlerischen
Fruchtbarkeit den Boden bereitete.
Das hochentwickelte Stadtleben
und der Reichtum des bürgerlichen Patriziats schufen eine
einzigartige Atmosphäre des kreativen Aufbruchs.
Von anspruchsvollen
Fürsten und Kaufleuten großzügig gefördert, waren die Künstler
einem enormen Konkurrenzdruck ausgesetzt, der sie zu Höchstleistungen
zwang. |



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Von anspruchsvollen
Fürsten und Kaufleuten großzügig gefördert, waren die Künstler
einem enormen Konkurrenzdruck ausgesetzt, der sie zu Höchstleistungen
zwang.
Zum Programm wurde die Wiederentdeckung
antiker Kunstprinzipien, so etwa in der Baukunst und der
Bildhauerei, aber auch neue Gattungen wurden entwickelt,
wie die Porträtmalerei oder der Holzschnitt.
Seit der Renaissance hat sich Florenz
seinen Rang als Zentrum von Kunst und Kultur
bewahrt – was natürlich zur Folge hat, dass
sich, besonders in den Sommermonaten, Scharen
von bildungsbeflissenen Touristen durch die
Museen drängen.
Doch darüber zu klagen, wäre absurd. Schließlich
sind auch wir nicht zuletzt der Kunst wegen nach Florenz
gekommen. Ein Aufenthalt in dieser Stadt bliebe unvollständig
ohne zumindest den Besuch der Uffizien. Einen Tag haben
wir für dieses gewaltige Kunstmuseum eingeplant, aber natürlich
müsste man gut und gerne drei Tage darin verbringen, wollte
man auch nur die wichtigsten Werke mit Muße betrachten.
Es kommt bald der Punkt, an dem der Geist nicht
mehr aufnahmefähig ist für die Vielzahl von
Gemälden aus den verschiedensten Kunstepochen
vom Mittelalter bis zum Spätbarock. Und doch ist
es jedes Mal ein beeindruckendes Erlebnis, einem
der weltberühmten Originale von Botticelli oder
Leonardo da Vinci gegenüber zu stehen.
Entspannung der
leichteren Art bietet dagegen ein Ausflug in den Boboli-Garten.
Über hundert Jahre dauerte die Gestaltung dieser prächtigen
Parkanlage, die unter dem Medici-Fürsten Cosimo I. als Lustgarten
zu dem von ihm erworbenen Palazzo Pitti geplant wurde.
Die
klassische Anlage mit ihren künstlichen Grotten, Brunnen,
Teichen und Skulpturen gehört weltweit zu den schönsten
ihrer Art. Der Schriftsteller Julien Green hat vielleicht
die treffendsten Worte für den „Giardino“ gefunden: „Endlose
Hecken aus grünem Licht, die Sonnenstrahlen tropfen hie
und da durch das Laub, wo sie eindringen können. Es herrscht
ein übermütiges Durcheinander, als habe jemand versäumt,
all diese der Natur überlassenen Festfragmente zu einem
Garten zusammenzufügen, aber gerade das liebe ich:
Wenn ich plötzlich auf der Höhe einer
Unkrautwiese ein Marmorpferd sich aufbäumen
sehe, und moosbewachsene Statuen, denen man
unversehens in einer stillen Ecke begegnet, wie Zigeunerinnen,
die sich anbieten, uns die Zukunft aus der Hand zu lesen.“ |


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