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Es ist immer die
Frage, ob man eine Toskanareise mit Florenz beginnen soll,
denn das ist in etwa so, als würde man – Antipasti und Pasta
überspringend – gleich zur Hauptspeise übergehen. Florenz
ist ein Fest für alle Sinne, an jeder Ecke wird man von
Eindrücken geradezu überrollt, aber das kann auf die Dauer
eben ganz schön anstrengend sein. Wir entschieden uns dafür,
den „dicken Brocken“ gleich an den Anfang der Reise zu stellen,
und uns dann zum Ausgleich draußen auf dem Lande zu erholen.
Südlich von Florenz beginnt das Hügelland
von Chianti, vielen Deutschen wohlvertraut, nicht allein
des – vorzüglichen – Weines wegen. Den meisten Nordlichtern
gilt das sanft gewellte Land mit seinen ebenmäßigen Konturen
und den diffusen Farbabstufungen, den silbrig glänzenden
Olivenhainen und den schlanken, kerzenförmigen Zypressen
als Inbegriff der toskanischen Landschaft. Dabei hat die
Toskana ganz verschiedene Gesichter: Schroff und rau im
Norden, in den Apuanischen Alpen bei Carrara, wo weiß wie
Schnee die berühmten Marmorbrüche leuchten; trocken, karg
und steppenhaft in den Crete, südlich von Siena; die Küstenlandschaften,
etwa die von uralten Pinienalleen durchzogene Ebene der
Maremma oder ganz im Norden die Sandstrände der Versilia,
zeigen wiederum eine andere Facette dieser faszinierend
vielseitigen Region. Und doch erscheint uns nichts so typisch
wie diese sanft modellierten Hügel, gekrönt von Zypressen,
die sich wie dunkle, ausgestreckte Zeigefinger zur unverwechselbaren
Toskana-Silhouette formieren.
Zwischen Val d’Elsa und Valdarno erstreckt
sich das Anbaugebiet des Chianti Classico, das so manches
berühmte und bisweilen nicht eben billige Tröpfchen liefert.
Seit den Zeiten der Etrusker, die der Toskana als Zentrum
ihres alten Herrschaftsgebietes den Namen gegeben haben,
wird in der Region Wein erzeugt.
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Doch in den letzten 25 Jahren hat sich in diesem
Weinanbaugebiet mehr verändert als in allen
Jahrhunderten zuvor.
Eine regelrechte
Weinrevolution, ausgehend von einigen
wohlhabenden Weingutsbesitzern, hat in diesem
Zeitraum stattgefunden.
Statt auf Masse wurde
radikal auf Klasse gesetzt, sodass mittlerweile
die toskanischen Weine zu den exklusivsten
Gaumenschmeichlern gehören, die Europa zu bieten
hat.
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Bereits 1924 hatten sich die
Winzer der Chianti-Region zu einem Konsortium zusammengeschlossen
und den Chianti Classico mit dem „Gallo Nero“, dem
schwarzen Hahn, als Emblem gesetzlich schützen lassen.
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Über Jahrzehnte musste
der Chianti-Wein nach der Formel hergestellt werden, die
der toskanische Wein-Baron Bettino Ricasoli bereits im 19.
Jahrhundert festgelegt hatte: Danach war der Chianti ein
Mischwein, der aus zwei roten (Sangiovese und Canaiolo)
und zwei weißen (Malvasia und Trebbiano) Trauben gekeltert
wurde.
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Der Weißwein-Zusatz
sollte den langsam reifenden, trockenen Rotwein geschmeidiger
und schneller trinkbar machen. Heute gilt jedoch eine andere
Weinphilosophie: Der Wein soll reifungsfähig sein und bei
langer Lagerung seine samtigen und fruchtigen Aromen entwickeln
können. Die antiquierte Mischregel des Barons wurde nach
langen Querelen außer Kraft gesetzt, und heute besteht der
Chianti ausschließlich aus roten Sorten mit einem überwiegenden
Anteil der einheimischen Sangiovese-Traube.
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Eine Wochenendfahrt durch
das Chianti-Gebiet führt uns durch die liebliche
Hügellandschaft nach Greve. Dort findet samstags
auf der arkadenumstandenen Piazza Matteotti ein
Markt statt, der Feinschmecker aus der ganzen Toskana
anlockt. Hier auf dem Marktplatz pulsiert das Leben.
Obst und Gemüse türmen sich verlockend, die Düfte
von frischem Brot, Fischen und Kräutern steigen
in die Nase.
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Zunächst lassen
wir uns einfach nur von Stand zu Stand durch die Menge treiben
und nehmen die Eindrücke in uns auf. Doch dann meldet sich
angesichts der bunten Vielfalt von Köstlichkeiten der Appetit.
Für den ersten kleinen Hunger genügt erst einmal Bruschetta,
geröstetes Weißbrot, mit Knoblauch eingerieben
und reichlich Olivenöl beträufelt. Eine einfache
Mahlzeit, aber mit dem vollen, intensiven
toskanischen Olivenöl ein reiner Genus. |
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Dann tauchen wir wieder ein in die Menge, kaufen da etwas
Obst, dort Käse (vor allem Pecorino, den herrlich würzigen
Schafskäse, der in der Toskana meist von eingewanderten
sardischen Schafhirten produziert wird),
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und landen schließlich bei der „Norcineria“ (Wurstmacherei) von Signor Falorni,
der vorzüglichen Schinken und Wildschweinsalami
verkauft.
Schwer bepackt gelangen wir wieder zum Auto, wobei natürlich
auch die reichlich eingekauften Flaschen von Olivenöl und Grappa ordentlich ins Gewicht fallen.
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