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Torrechiara ist ein Kastell wie aus
einem Märchen. Auf einer leichten Anhöhe errichtet, thront die von
Pier Maria Rossi zwischen 1448 und 1460 erbaute Festung weithin
sichtbar über dem Land. Die gesamte Bausubstanz der Anlage ist bis
heute erhalten geblieben und legt eindrucksvoll Zeugnis ab von einer
stolzen Vergangenheit. Mächtige Mauern und gewaltige Türme umgeben den
Hof, die Gebäude selbst können den Eindruck einer fast unwirklich
erscheinenden „Ritterburg“ erwecken. Und doch ist es nicht der Geist
des Mittelalters, der sich hier in Stein verewigt hat. Am Kastell
Torrechiara lässt sich der Geist einer neuen Zeit ablesen, einer
Epoche, die Architektur, Kunst und Philosophie zu ihrer vielleicht
höchsten Blüte geführt hat: die Renaissance. Hier in Oberitalien hatte
sie ihr Zentrum.
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Rimini: Strand |
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Wir befinden uns in der Emilia-Romagna, der italienischen Region,
welche die großen Ebenen südlich des Po, die Bergkette des Apennin und
die Adria-Küste vom Po-Delta bis Rimini vereinigt, ein Land voller
Unterschiede und doch vielleicht nicht von Gegensätzen.
Die Emilia-Romagna ist der Zusammenschluss zweier lange Zeit
getrennter Gebiete Oberitaliens, der westlichen Emilia und der
südöstlichen Romagna: Erst im Jahr 1947 erhielt die Region ihren
Doppelnamen. Gemeinsam ist der Region, dass sie uraltes Siedlungsland
ist, und bis heute prägt menschliches Schaffen nahezu jeden
Quadratmeter.
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Gemeinsam ist der Region der
reizvolle Kontrast von urbaner Kultur und ländlichem Leben;
gemeinsam ist der Region ein waches Selbstbewusstsein ihrer
Bewohner. Und doch ist es schwer, einen einheitlichen Kulturraum
zu erkennen. Dies liegt – neben den unterschiedlichen
geschichtlichen und kulturellen Entwicklungen – zum großen Teil
auch an den verschiedenartigen landschaftlichen Gegebenheiten. |
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Ebenen, Berge und das Meer
Die Ebenen der Emilia-Romagna sind durch den großen Fluss Po bestimmt,
dessen Schwemmland sich weit südlich seiner Ufer in die Region
erstreckt. So prägen auch die Jahreszeiten und der davon abhängige
Wasserstand des Po das Leben entlang des Stroms. |
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Die Ebenen sind durchzogen von den aus den Bergen kommenden
Flüssen, die zum Po Wasser führen; in schneereichen
Frühjahrsschmelzen kommt es oft zu Überflutungen und
Verwüstungen der Felder.
Ein umfangreiches System von Kanälen
und kleinen Deichen hat der Naturgewalt immer wieder zu trotzen
gesucht – dennoch: Das ebene Land ist niemals sicher.
All diese Umstände prägen den Menschentypus und die Lebensart
des Tieflandes. Die Bewohner und Bebauer der Ebenen sind ein ruhiger
Menschenschlag, der im Einklang mit der Natur und dem Jahreslauf lebt,
gesegnet mit einer genauen Beobachtungsgabe und einer gewissen Portion
Stoizismus. |

Noceto |
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Nach Süden hin ist die Emilia-Romagna durch den Kamm des Apennin
begrenzt, in den sich tief eingeschnittene Täler ziehen: gelegentlich
zu den großen Pässen durch die Berge führend, oftmals in den schroffen
Höhen endend. Vielfach aber sind Bergstädte, Dörfer oder Kastelle
eindrucksvolle Zeugnisse menschlicher Besiedelung: Nur selten findet
der Blick rundum gänzlich unberührte Natur.
Die Berge sind sich aber nicht einfach überall gleich. Die tiefen
Täler des oberen Apennin in der Gegend über Parma unterscheiden sich
von den weitläufigen Höhen etwa um Forlì, und so wie das Klima und die
Vegetation sind auch die Menschen von unterschiedlichem Charakter: im
Nordwesten rauher, im Südosten großzügiger und aufgrund der Meeresnähe
milder.
Die Adria-Küste der Emilia-Romagna besteht nicht allein aus den
berühmten und inzwischen sogar berüchtigten Badeorten mit langen
Sandstränden, die eine Unzahl von Touristen Jahr für Jahr anziehen.
Die Küste bietet auch fast verträumte Orte – zumal im Norden, in der
Nähe des Po-Deltas –, und sie bietet eine Fülle von kulturellem
Reichtum, etwa in Rimini. |
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Po Delta: Comacchio |
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Der Übergang vom Festland zum Meer ist sanft, das Land ergießt sich
ähnlich dem großen Po fast ruhig in das Meer. Dadurch sind Hinterland
und Meer nicht durch eine natürliche Grenze geschieden: Erst die im
Süden ans Meer ragenden Berge sorgen für eine dramatischere und
malerischere Szenerie. Sehenswert sind hier die Bergstädtchen mit
ihrem weiten Blick auf Land und Meer. |
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Cesenatico: Fischerhafen |
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Das Meer: Es verbindet, es trennt nicht. Stets wurde an der Küste
Seefahrt betrieben, und schon Augustus ließ den Seehafen Classe für
seine Flotte bauen. Später, im Einflussbereich der venezianischen
Flotten, beschränkte sich die Befahrung des Meeres vor allem auf den
Fischfang: Dies ist bis heute so geblieben, da große Seehafenstädte
fehlen. So ist das Meer – sieht man vom Badevergnügen ab – vor allem
auch auf dem Speiseplan gegenwärtig. |
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folgt Teil 2 |
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